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Debut-Konzert in Japan

Vor vielen Jahren begann mir ein Freund von einem Buch zu schwärmen, das in der Folgezeit mein Leben verändern sollte: “Zen - in der Kunst des Bogenschiessens” von Eugen Herrigel. Es erzählt die Geschichte eines deutschen Philosophieprofessors, der einige Jahre in Japan lebte, und neben seiner beruflichen Tätigkeit an einer Universität sich auf den Weg machte, in Begleitung eines Zen-Meisters, sich der Kunst des Bogenschiessens zu nähern.  Die Art und Weise, wie der Zen-Meister seinen Schüler dabei vor allem zu sich selbst führte, schaffte mir im Bewußtsein ein neuartiges Bild eines - ich nenne es sehr gerne - “gesund-wachsenden” Lernvorgangs, dessen Grundhaltung mir allerdings - bei aller Bescheidenheit - in seiner gewissen intuitiven Art wiederum nicht nur neu war.  Jedenfalls treffe ich bis zum heutigen Tage immer wieder Musiker, die ähnlich beeindruckt über dieses Buch sprechen, die ebenfalls sagen, es habe ihnen weit mehr über Musik und das Menschsein geöffnet, als jedes andere Buch über das Üben, oder die Musik generell!  -

Der asiatische Kulturbereich, und Japan im besonderen, begann mich fortan zu berühren. Ich studierte Stücke asiatischer Komponisten, und lernte vor allem Menschen kennen, die mir eine Ahnung von der asiatischen Geisteshaltung schenken konnten.

Nach vielen Jahren des Fantasienährens, war es für mich vor ein paar Monaten nun endlich so weit: ich machte meine erste Reise in dieses Land, das mir so viele anregende Botschaften im voraus geschickt hatte.  In einem von Harmonie erfüllten japanischen Garten zu weilen, einer traditionellen Teezeremonie beizuwohnen, die Sho-Spielerin Mayumi Miyata live zu hören (die Sho ist das Vorläuferinstrument des heutigen Akkordeons bzw. Mundharmonika), im modernen, abgefahrenen Shibuya, einem Stadtteil Tokyos im Strom eines exzentrischen Jugendkults zu wandern. Ich bekam endlich “mein” Japan vor Augen geführt.

Zusammen mit meiner Frau und Spielpartnerin Naoko Takeuchi - der ehemaligen Mundharmonika-Weltmeisterin - bestritt ich mein erstes Konzert in Japan.

Es war alles bestens organisiert, ein perfekter Kammermusiksaal, selbst das Licht war sehr professionell ausgeleuchtet. Der Saal in Lili´s Hall zu Yokohama war ausverkauft. Wir spielten ein wunderbares Konzert in einem fein ausgeloteten Rahmen. Natürlich musste ich als Deutscher auf der Bühne auch ein paar Sätze Japanisch sprechen! - Die Reaktionen nach dem Konzert gingen mir dann sehr nah. Zum einen gab es eine Menge an Blumen, Autogrammwünschen und CD-Käufen. Aber vor allem, mit welchem Respekt wir als Musiker behandelt wurden, wie herzensverbunden die Konzertbesucher auf uns zugingen, wie sie über ihr Erlebtes an Klang berichteten, hatte eine ganz besondere Liebenswürdigkeit, Freude und Konzentration. -

Ein Musikinstrument zu spielen, damit in eine andere Kultur zu gehen, sich dort zu zeigen, Menschen damit anzusprechen, einen herzlichen Austausch anzuregen - Menschenherz was willst Du mehr?! So fuhren wir in der Nacht nach dem Konzert beseelt mit einem Auto voller schöner Blumen zurück zum Elternhaus meiner Frau.

Im Dezember wird unser nächstes Konzert in Kyoto sein.

3. Juli 2008 Kommentieren Andreas Nebl