Piazzollas “Aconcagua” im Trossinger Konzerthaus – fünf Fragen an den Solisten Andreas Nebl
Im Rahmen von “Akkordeon grenzenlos 2009“ kam Astor Piazzollas “Aconcagua”
für Akkordeon Solo, Percussion und Streicher zur Aufführung durch die Württembergische Philharmonie Reutlingen und dem Solisten Andreas Nebl, einem unserer Dozenten am Hohner-Konservatorium. Nachdem das Projekt, das bereits vor über zwei Jahren in Bezug auf die Planung auf den Weg gebracht wurde, beantwortete Andreas Nebl einige Fragen zu verschiedenen Aspekten des Konzertprojektes:
Frage: Wie sind Sie auf die Komposition aufmerksam geworden?
Seit Jahren beschäftige ich mich sehr intensiv mit der Musik Astor Piazzollas. Als ich vor zwei Jahren in Buenos Aires war, bin ich in einem kleinen CD-Laden auf eine Aufnahme des Konzertes „Aconcagua“ gestoßen. Seither wuchs der Wunsch in mir, dieses 20-Minuten-Werk selbst mit einem professionellen Orchester auf die Bühne zu bringen.
Frage: Wie würden Sie die Komposition beschreiben?
Piazzolla eifert hier in der gewählten Dreisätzigkeit ganz offensichtlich klassischen Formidealen (schnell-langsam-schnell) nach, trotzdem bleibt er seinem archaischen Grundtemperament treu. Aconcagua hat insgesamt etwas sehr Verbindendes, zwischen Folklore und Klassik, zwischen Europa und Südamerika. Auch zwischen Solist und Orchester findet eine große Nähe statt: nicht nur zu Beginn hört man zwischen beiden Partnern raffiniert organisierte Polyrhythmen, man erlebt auch im Laufe des Stücks so etwas wie einen echten Bandcharakter, bei dem das Orchester mehr Rhythmusgruppe denn konzertierender Klangkörper ist. Auch kammermusikalische Strukturen wie im 2.Satz, binden den Solisten sehr nahe an das Orchester. Aber: Irgendwo ist Tango eben immer wieder Tango – im Falle von Aconcagua ausgesprochen ideenreich in eine sehr große Form gegossen.
Frage: Welche Möglichkeiten bzw. Schwierigkeiten gibt es bei der Übertragung vom Bandoneon auf das Akkordeon?
Bei zahlreichen Gesprächen in der Vergangenheit zu diesem Thema mit anderen Akkordeonisten kristallisierten sich immer wieder zwei grundsätzliche Meinungen heraus: entweder man sucht einen „akkordeonistischen“ Weg, mit den gängigen Spieltechniken des Akkordeons, oder man orientiert sich radikal am Klangideal des Bandoneons. Für mich selbst kam nur diese letztere Variante in Frage. Das charakteristische Drücken, Schlagen, Quetschen des Instruments gehört für mich unmittelbar zum Charakter dieser Musik. So wurde meine Vorbereitung zu Aconcagua zum gänzlichen Loslösen von allen klassischen Spielmustern. Ich suchte gewissermaßen den anarchistischen Weg, das Akkordeon im Extremfall auch zum Schreien zu bringen. Auch Musik von Igor Strawinsky inspirierte mich bei diesem Vorhaben sehr.
Frage: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester erlebt?
Es war eine großartige Erfahrung, zum einen mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, einem professionellen Orchester im Rücken zu musizieren, und zum anderen, mit dem Dirigenten Norichima Iimori, einer wirklich außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit, auch im Vorfeld zusammenzuarbeiten. Für mich war es dann letztlich eine physische Herausforderung, mich klanglich mit dem z.T. sehr dichten Orchestersatz zu verbinden. Nach der einzigen Probe mit dem vollen Orchester am Tag vor dem Konzert wusste ich es dann hautnah: ich musste für den Charakter der Musik wirklich „um mein Leben“ spielen, wenn ich ausdrücken wollte, was ich mir vorgenommen hatte!
Frage: Welche weiteren Kompositionen würden Sie gerne als Solist mit Orchester aufführen?
Inzwischen gibt es eine Reihe von Werken dieser Gattung mit zum Teil bemerkenswerten Inhalten. Sehr interessant finde ich zum Beispiel Manuel Hidalgos „Introduktion und Fuge“ nach der Hammerklaviersonate von L.v.Beethoven für Akkordeon und Orchester, auch „Voyage V“ (Extasis) von Toshio Hosokawa, oder Fabio Nieders „Camminata sogno 21 martedi agosto 1945“. Ein erfüllter Lebenstraum wäre für mich eine Gesamteinspielung aller Bachschen Cembalokonzerte mit Akkordeon und Kammerorchester.
Internetmarketing mit Web 2.0 fürs Hohner-Konservatorium
Laut der ARD/ZDF-Online Studie 2007, nahm der Anteil der Bundesbürger, die das Internet nutzen (Onliner), von 55,3 Prozent im Jahr 2004 auf 62,7 Prozent im Jahr 2007 zu, was einem Zuwachs von 3,8 Millionen Erwachsenen ab 14 Jahre auf insgesamt 40,8 Millionen Onlinern entspricht. Interessant ist hier vor allem für die Fragestellung meiner Magisterarbeit, dass immerhin 35 Prozent der Nutzer, Informationen aus dem Kulturbereich im Internet beziehen. Kulturbetriebe sollten also ihr Internetangebot keinesfalls vernachlässigen, da das Web bereits zu einer wichtigen Informationsquelle geworden ist. Dies ist der Ausgangspunkt meiner Arbeit. In Zusammenarbeit mit dem Hohner-Konservatorium wurden die Zielgruppen bestimmt, die von dem Online-Angebot vor allem angesprochen werden sollen.
Zum einen handelt es sich hierbei um engagierte und talentierte Akkordeonspieler zwischen 10 und 25 Jahren, sowie Akkordeonlehrer und auch engagierte Laienakkordeonspieler ab 25 Jahren. Gerade in diesen Altersgruppen ist der Anteil der Internetnutzer besonders hoch, weshalb der Einsatz von Internetmarketingmaßnahmen für das Hohner-Konservatorium besonders interessant ist. Da bereits jeder zweite Internetnutzer regelmäßig Wikipedia verwendet, schien der Einsatz eines Akkordeon-Wikis (www.akkordeon-wiki.de) eine spannende Einsatzmöglichkeit zu sein. Zusätzlich soll das Wiki die Positionierung des Hohner-Konservatoriums als Bildungseinrichtung im Internet untermauern. Mit dem Hohner-Konservatoriums Blog soll vor allem ein Blick ins Hohner-Konservatorium möglich sein. Interessierte Studenten sollen ein Gefühl für das Konservatorium bekommen und mit diesem leicht in Kontakt treten können. Nicht zu unterschätzen ist sicherlich auch der Effekt, dass der Einsatz von Web 2.0 Maßnahmen dem Hohner-Konservatorium eine moderne Präsenz im Netz ermöglicht, was sicherlich Effekte auf das Image, besonders in den jüngeren Altersgruppen haben wird.
Ich lade hiermit herzlich zu einer Feedbackrunde ein! Wie wirken die Web 2.0 Maßnahmen des Hohner-Konservatoriums? Was könnte noch verbessert werden?
Bagger am Bau V
Vor einigen Tagen ging es so richtig los: Am großen Nachbargebäude des Hohner-Konservatoriums, dem Bau V, hat die Sanierung begonnen. Ziel ist es, diese bis Ende 2008 abzuschließen. Es werden auf den insgesamt vier Etagen mit jeweils rund 1.000 Quadratmeter verschiedene Nutzungen angestrebt. Zum einen private Wohnungen und zum anderen gewerbliche Flächen. Und: die Etage im Erdgeschoss ist für drei Kultureinrichtungen vorgesehen: für die Stadtbücherei Trossingen, die Musikschule Trossingen und das Hohner-Konservatorium. Denn mittelfristig wir derzeit folgender Plan verfolgt: die beiden Musikinstitutionen Musikschule und Hohner-Konservatorium teilen sich in Zukunft die Flächen im derzeitigen Hohner-Konservatorium und zudem eben einen Teil innerhalb des Bau V. Verbunden werden die beiden Gebäude durch einen geschlossenen Übergang, so dass man sich in den Trossinger Wintern keine Jacke anziehen muss, um vom einen Gebäude ins andere zu gelangen.
Die konzeptionellen Überlegungen zum gesamten Projekt begannen vor rund zwei Jahren. Die konkreten raumplanerischen Überlegungen zwischen Musikschule und Hohner-Konservatorium im Dezember 2007. Es hat sich mittlerweile gezeigt, dass verschiedene sehr positive Synergien mit diesem Konzept erreicht werden können – auch wenn dem Konservatorium nach Umsetzung der Überlegungen insgesamt weniger Quadratmeter zur Verfügung stehen werden. Der große Vorteil aber: nach einigen Jahrzehnten, in denen am Konservatoriumsgebäude nahzu nichts gemacht wurde und dieses dabei sehr in die Jahre gekommen ist (wie viele wissen), scheint eine Generalsanierung des Gebäudes nun endlich bevorzustehen. Da die Finanzierung hierzu noch nicht steht, ist die genaue Zeitschiene aber noch nicht klar. Im kommenden Haushaltsjahr 2009 wäre sehr erfreulich und ein großer Erfolg – man muss und wird sehen… Sicher sagen kann man jedoch, dass das “Dauerthema Konservatoriumssanierung” in den vergangenen Jahren noch nie so nah vor einer Umsetzung stand.
Web 2.0 für Kulturunternehmen
Ich hatte das große Glück die Chance bekommen zu haben, in Zusammenarbeit mit Erik Hörenberg, ein Internetmarketingkonzept im Rahmen meiner Magisterarbeit am Institut für Kulturmanagement in Ludwigsburg für das Hohner-Konservatorium zu entwickeln. Während andere Kulturbetriebe noch ablehnend, wenigstens skeptisch dem Bereich Internetmarketing gegenüber stehen und hierbei leider die Entwicklung hin zum Web 2.0 verschlafen werden, stand das Hohner-Konservatorium diesen Dingen sehr offen gegenüber und war dazu bereit, sich auf das Abenteuer Web 2.0 einzulassen. Nicht nur dieser Blog, in welchem ich nun auch regelmäßig über die Ergebnisse und Entwicklungen schreiben werde, sondern auch das Akkordeon-Wiki (www.akkordeon-wiki.de/www.accordion-wiki.com) sind Maßnahmen, die wir durchgeführt haben, um den Besuchern der Hohner-Konservatoriums Website und allen Akkordeon-Interessierten einen Mehrwert zu schaffen. Im Akkordeon-Wiki sollen alle Akkordeonspieler und Akkordeonliebhaber die Möglichkeit haben, gemeinsam Wissen und Erfahrungen rund um dieses spannende und wundervolle Instrument zusammenzutragen und zu teilen. Gerade dem Hohner-Konservatorium als Bildungseinrichtung ist die Verwaltung von Wissen wichtig, was mit dem Akkordeon-Wiki ideal umgesetzt ist, da es allen offen steht und sich jeder beteiligen kann. Im Blog möchten Dozenten, Studenten und Leitung des Hohner-Konservatoriums einen persönlicheren Einblick in den Alltag am Konservatorium gewähren. Hier sollen aktuelle Diskussionen angeregt und ausgetragen, Fragen gestellt und über Alltägliches berichtet werden.
Ich denke, dass es durch die Web 2.0 Maßnahmen gelungen ist, dass sich das Hohner-Konservatorium in einem weiteren, offeneren Rahmen präsentieren kann. Spannend finde ich gerade, dass im Akkordeonbereich diese Offenheit gegenüber den neuen Medien herrscht. Das schönste Ergebnis wäre, wenn das Akkordeon auf diesem Wege noch neue Fans gewinnen kann und sein Image ein wenig moderner wird. Seine Lehrer sind es bereits!
Zum Abschluss meines ersten Blogeintrages möchte ich ein Zitat bringen, dass mein Professor Armin Klein immer gerne zitiert:
There are three types of organizations:
- those who make things happen,
- those that watch things happen
- those that wondered what happened.
Am Hohner-Konservatorium geht auf jeden Fall was!
Über Kommentare und Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen!
Ferien in Aussicht
In den letzten Tagen gab es für uns alle nochmals einiges zu tun. Um so mehr können wir uns nun auf die zweiwöchigen Pfingstferien am Hohner-Konservatorium freuen. Gerade noch pünktlich fertig geworden ist unser Blog, die neue Internetseite wird in der kommenden Woche online geschaltet (vielen Dank an Matoma!).
Am vergangenen Montag sind fünf Studenten und Absolventen von uns nach Chongqing in China geflogen. Sie spielen dort im Rahmen der vom Auswärtigen Amt veranstalteten “Deutschlandpromenade” an insgesamt 10 Tagen gemeinsame Auftritte mit einem Dozenten und vier Studierenden der Pädagogischen Universität Chongqing. Aufgrund des Tibetkonfliktes war die Beantragung der Visa noch zu einem wirklichen Problem geworden. Doch am vergangenen Freitag um 14.30 Uhr konnte Michaela Kitzke die fünf Reisepässe mit den Stempeln in Berlin in Empfang nehmen – nur drei Tage vor Abflug.
In der vergangenen Woche hat zudem der Deutschen Orchesterwettbewerb in Wuppertal stattgefunden. Insgesamt ein großes Fest mit über 5.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, natürlich auch an zwei Tagen mit Wertungen in der Kategorie Akkordeonorchester und Akkordeonjugendorchester.
Nach den Pfingstferien biegen wir schon auf die Zielgerade ein bis zum Ende des Sommersemesters. Jetzt sind aber erst einmal die Ferien im Mittelpunkt.
