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Piazzollas “Aconcagua” im Trossinger Konzerthaus – fünf Fragen an den Solisten Andreas Nebl

Im Rahmen von “Akkordeon grenzenlos 2009“ kam Astor Piazzollas “Aconcagua”

für Akkordeon Solo, Percussion und Streicher zur Aufführung durch die Württembergische Philharmonie Reutlingen und dem Solisten Andreas Nebl, einem unserer Dozenten am Hohner-Konservatorium. Nachdem das Projekt, das bereits vor über zwei Jahren in Bezug auf die Planung auf den Weg gebracht wurde, beantwortete Andreas Nebl einige Fragen zu verschiedenen Aspekten des Konzertprojektes:

 

Frage: Wie sind Sie auf die Komposition aufmerksam geworden?

 

Seit Jahren beschäftige ich mich sehr intensiv mit der Musik Astor Piazzollas. Als ich vor zwei Jahren in Buenos Aires war, bin ich in einem kleinen CD-Laden auf eine Aufnahme des Konzertes „Aconcagua“ gestoßen. Seither wuchs der Wunsch in mir, dieses 20-Minuten-Werk selbst mit einem professionellen Orchester auf die Bühne zu bringen.

 

Frage: Wie würden Sie die Komposition beschreiben?

 

Piazzolla eifert hier in der gewählten Dreisätzigkeit ganz offensichtlich klassischen Formidealen (schnell-langsam-schnell) nach, trotzdem bleibt er seinem archaischen Grundtemperament treu. Aconcagua hat insgesamt etwas sehr Verbindendes, zwischen Folklore und Klassik, zwischen Europa und Südamerika. Auch zwischen Solist und Orchester findet eine große Nähe statt: nicht nur zu Beginn hört man zwischen beiden Partnern raffiniert organisierte Polyrhythmen, man erlebt auch im Laufe des Stücks so etwas wie einen echten Bandcharakter, bei dem das Orchester mehr Rhythmusgruppe denn konzertierender Klangkörper ist. Auch kammermusikalische Strukturen wie im 2.Satz, binden den Solisten sehr nahe an das Orchester. Aber: Irgendwo ist Tango eben immer wieder Tango – im Falle von Aconcagua ausgesprochen ideenreich in eine sehr große Form gegossen.

 

Frage: Welche Möglichkeiten bzw. Schwierigkeiten gibt es bei der Übertragung vom Bandoneon auf das Akkordeon?

 

Bei zahlreichen Gesprächen in der Vergangenheit zu diesem Thema mit anderen Akkordeonisten kristallisierten sich immer wieder zwei grundsätzliche Meinungen heraus: entweder man sucht einen „akkordeonistischen“ Weg, mit den gängigen Spieltechniken des Akkordeons, oder man orientiert sich radikal am Klangideal des Bandoneons. Für mich selbst kam nur diese letztere Variante in Frage. Das charakteristische Drücken, Schlagen, Quetschen des Instruments gehört für mich unmittelbar zum Charakter dieser Musik. So wurde meine Vorbereitung zu Aconcagua zum gänzlichen Loslösen von allen klassischen Spielmustern. Ich suchte gewissermaßen den anarchistischen Weg, das Akkordeon im Extremfall auch zum Schreien zu bringen. Auch Musik von Igor Strawinsky inspirierte mich bei diesem Vorhaben sehr.

 

Frage: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester erlebt?

 

Es war eine großartige Erfahrung, zum einen mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, einem professionellen Orchester im Rücken zu musizieren, und zum anderen, mit dem Dirigenten Norichima Iimori, einer wirklich außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit, auch im Vorfeld zusammenzuarbeiten. Für mich war es dann letztlich eine physische Herausforderung, mich klanglich mit dem z.T. sehr dichten Orchestersatz zu verbinden. Nach der einzigen Probe mit dem vollen Orchester am Tag vor dem Konzert wusste ich es dann hautnah: ich musste für den Charakter der Musik wirklich „um mein Leben“ spielen, wenn ich ausdrücken wollte, was ich mir vorgenommen hatte!

 

Frage: Welche weiteren Kompositionen würden Sie gerne als Solist mit Orchester aufführen?

 

Inzwischen gibt es eine Reihe von Werken dieser Gattung mit zum Teil bemerkenswerten Inhalten. Sehr interessant finde ich zum Beispiel Manuel Hidalgos „Introduktion und Fuge“ nach der Hammerklaviersonate von L.v.Beethoven für Akkordeon und Orchester, auch „Voyage V“ (Extasis) von Toshio Hosokawa, oder Fabio Nieders „Camminata sogno 21 martedi agosto 1945“. Ein erfüllter Lebenstraum wäre für mich eine Gesamteinspielung aller Bachschen Cembalokonzerte mit Akkordeon und Kammerorchester.

25. April 2009 Kommentieren Erik Hörenberg

Prof. Dr. Hans Günther Bastian im Gespräch

Die Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände, für die ich als Geschäftsführer neben dem Hohner-Konservatorium tätig bin, zeichnet einmal jährlich Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens mit der Hans Lenz-Medaille aus. In diesem Jahr wird diese Medaille – übrigens im Rahmen des DAM in Baden-Baden – an Herrn Prof. Dr. Hans Günther Bastian überreicht. Die Laudatio und die Übergabe wird vom Präsidenten der BDO, Herrn Ernst Burgbacher MdB durchgeführt werden. Ich hatte in dieser Woche die Gelegenheit, drei Fragen an Herrn Prof. Bastian zu stellen. Das sich hieraus ergebene Interview haben und werden wir im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit bei der BDO ab morgen veröffentlichen und kommunizieren. Ich finde, dass Herr Prof. Bastian sehr gute, konstruktive und auch hilfreiche Gedanken äußerst. Zudem ist er – und das bestätigen sicherlich alle Personen die ihn kennen – eine äußerst sympathische und zuvorkommende Person. Ich freue mich schon sehr auf die Verleihung in Baden-Baden im Juni dieses Jahres. Anbei nun aber der Pressebericht mit dem Kurz-Interview:prof-dr-bastian

Prof. Dr. Hans Günther Bastian im Gespräch

 

Die Hans Lenz-Medaille der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände (BDO) wird im Jahr 2009 an Prof. Dr. Hans Günther Bastian verliehen. Diese Entscheidung teilte das Präsidium der BDO vor einigen Tagen mit. Aus diesem Anlass unterhielt sich Erik Hörenberg, Geschäftsführer der BDO, mit dem renommierten Musikpädagogen und Wissenschaftler.

 

Erik Hörenberg: Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Bastian. Sie erhalten in diesem Jahr die Hans Lenz-Medaille der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände (BDO), der Dachorganisation der instrumentalen Laienmusik in Deutschland. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

 

Prof. Dr. Hans Günther Bastian: In meiner beruflichen Biografie war und bin ich der Laienmusik stets eng verbunden, sei es in Theorie und Praxis, in Wissenschaft und Forschung. Auch in der Liste meiner Publikationen spiegelt sich immer wieder mein Kontakt  zur Laienmusik, deren musikalische und gesellschaftliche Bedeutung zu betonen, ich nicht müde werde. Meine Gedanken und Thesen münden in Appellen zu stärkerem Selbstbewusstsein und zu deutlicherem Eigenprofil der Laienmusik in der politischen und fachlichen Öffentlichkeit. Überflüssig scheint mir der Hinweis, dass es “die”Laienmusik nicht gibt, sondern dass sich hinter dem theoretischen Konstrukt „die“ eine äußerst pluralistische und heterogene Musiklandschaft auftut, eine Vielzahl unterschiedlicher Gruppierungen und Musikern, Vereinen und Organisationen.

Von dieser größten deutschen Dachorganisation der instrumentalen Laienmusik in diesem Jahr 2009 als Preisträger ausgezeichnet zu werden, ist mir eine wertvolle Anerkennung meiner Arbeit und eine besondere persönliche Ehrung. Eine solche Würdigung macht mich dankbar und verpflichtet mich zugleich zu weiterem Engagement.

 

Erik Hörenberg: Die BDO engagiert sich intensiv – wie viele andere Verbände und Organisationen auch – für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen musikalischer Bildung in Deutschland. Wo sehen Sie für die Zukunft den größten Handlungsbedarf, damit das „Musikland Deutschland“ auch langfristig ein Musikland bleiben wird?

 

Prof. Dr. Hans Günther Bastian: Ein Blick in aktuelle Statistiken unseres Musiklebens belegt eindrucksvoll, was Kenner der Szene seit langem beobachten: Laienmusizieren erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Darum ist richtig: Deutschland ist nach wie vor ein Land der Musik. Doch gleichzeitig sehe ich einen grassierenden musikalischen Analphabetismus, der sich speist und nährt aus weitgehend liedlosen Familien, aus musikalisch noch immer unzureichend qualifizierten Erzieherinnen in Kindergärten, aus einem eklatanten Unterrichtsausfall im Fach Musik an Grundschulen und aus der leidigen Epochalisierung von Kunst und Musik in der Sekundarstufe. Und indem ich diese Schwachstellen benenne, verweise ich zugleich auf dringend notwendigen (etymologisch heißt das doch: den die Not wendenden) Handlungsbedarf an wichtigen Schaltstellen musikalischer Bildung. Familien müssten Keimzellen musikalischer Primärerfahrungen sein, Kindergärten und Grundschulen müssten ihren (musikalischen) Bildungsauftrag ernster nehmen als dies nach meinen Beobachtungen der Fall ist. Doch vieles ist unter anderem nach den Veröffentlichungen unserer Ergebnisse aus der Berliner Wirkungsstudie in Bewegung geraten (Jeki in NRW,  Klassenmusizieren, musikalische Grundschulen, Profilschulen Musik u.a.).

Tatsache aber ist noch immer: Genau in den Phasen, in denen Kinder die Musik am notwendigsten brauchen und sie am bildsamsten wirkt, wird sie am meisten vernachlässigt oder dem Geldbeutel der Eltern überlassen. Das ist paradox, unpolitisch und unverantwortlich in höchstem Maße, gerade heute, wo wir um die Wirkkräfte der Musik auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wissen.

 

Erik Hörenberg: Die BDO möchte gerne in Ihrem Namen eine Botschaft an die Verantwortungsträger in Gesellschaft, Verwaltung und Politik entsenden. Wie sollte diese Botschaft lauten?

 

Prof. Dr. Hans Günther Bastian: Laienmusik steht als Synonym für musikalische Bildung und Kultur auf denkbar breitester Ebene, sie ist der Inbegriff aller nichtprofessionell musikalisch aktiven Menschen. Laienmusizieren leistet eine musikalische Bildung und bietet die Chance zu kultureller Selbstverwirklichung und sozialer Integration, wie sie von keiner anderen staatlichen Einrichtung in dieser Breite und Vielfalt angeboten oder gar geleistet werden kann. Im Musizieren gewinnt die Musik ihre Kraft zum Widerspruch auch gegen konsumistische Strömungen in unserer Gesellschaft zurück. Es läuft dem allgemeinen Trend zur Individualisierung und mehr noch zur Anonymisierung, zur Beschleunigung des Lebens im galoppierenden time is money, zur Flüchtigkeit im alltäglichen business as usual zuwider und bringt Menschen in ein musiksoziales Kollektiv.

Das eigene Musizieren versteht sich zudem als sinnlichkeits-fördernde und sinn-erfüllende Freizeitgestaltung, als Befriedigung des menschlichen Spieltriebs – ohne sich zuvor als Spielfigur im PC einscannen zu müssen, ja letztlich als Verbindung zu den Werten unserer Kultur. Im Laienmusizieren machen wir junge Menschen zu “Schöpfern von Kultur”, in der sie unmittelbar erfahren können, dass nicht allein der Fernsehsender Viva Musica ist, sondern  Musica Viva. Jeder musizierende Mensch, ob als Kleinkind oder mit 60 + kann sein eigener MP3 Player sein.

Mein emphatischer Appell auch auf dem Hintergrund der nachgewiesenen positiven Wirkungen des Musizierens auf die Persönlichkeitsentwicklung: Lasst unsere Kinder und Jugendliche musizieren aus Gründen ihrer natürlichen Begabung zur Musik. Wer musizierende Kinder beobachtet, sieht ihre angeborene Freude an der Musik. Diese erleben zu lassen, heißt sie leben zu lassen.

Vom Schweizer Theologen Leonhard Ragaz stammt die Zeitkritik: “Der Geist der Gewalt ist so stark geworden, weil die Gewalt des Geistes so schwach geworden ist”. Ich bin fest davon überzeugt, dass – trotz aller zitierbaren Gegenbeispiele – der Geist der Musik und des Musizierens zur Befriedung der Gesellschaft und damit zu ihrer Humanisierung einen einzigartigen und unverwechselbaren Beitrag leisten kann.

Wenn es Maßstab effizienter Kultur- und Bildungspolitik ist, zum rechten Zeitpunkt am richtigen Ort in vertretbaren Maßstäben zu investieren, dann gehören Laienmusikvereine in einer Prioritätenliste auf die vorderen Rangplätze. Subventionen in Laienmusikkultur sind wichtige Voraussetzungen für die Regeneration von Menschen in lebenswichtigen Spielräumen, sie sind Investitionen und keine Ausgaben.

 

Erik Hörenberg: Vielen Dank Herr Prof. Dr. Bastian für das Gespräch.

2. April 2009 Kommentieren Allgemein, Erik Hörenberg

Umzug des Hohner-Konservatoriums in den Bau V

Das Sommersemester hat bei uns bereits vor einigen Wochen begonnen. Es wird, wie wir seit dem vergangenen Jahr wissen, das letzte Semester unserer traditionsreichen Kultur- und Bildungseinrichtung in den Räumlichkeiten des „Konservatoriumsgebäudes“ sein. In der vergangenen Woche haben sich hinsichtlich der Finanzierung der neuen Räumlichkeiten im Bau V weitere sehr positive Entwicklungen ergeben und ich glaube, dass vor diesem Hintergrund nun auch für die breitere Öffentlichkeit skizziert werden kann, in welchem Zeitrahmen sich die weiteren Abläufe abspielen werden. Das Sommersemester wird noch ohne jegliche Einschränkungen im derzeitigen Gebäude stattfinden. In dieser Zeit werden die neuen Räumlichkeiten im Bau V abschließend für die Notwendigkeiten des Hohner-Konservatoriums ausgebaut. Darin eingeschlossen sind beispielsweise auch die raumakustischen Maßnahmen, die für eine Musikausbildungseinrichtung von ganz besonderer Bedeutung sind. Geplant ist im Weiteren, dass in der letzten Semesterwoche – annähernd vor dem Ende der Prüfungsphase – der eigentliche Umzug stattfindet. Dies bedeutet, dass wir zum Wintersemester 2009/2010 im September dieses Jahres in den neu sanierten und qualitativ hochwertigen Räumlichkeiten nach der wohlverdienten Sommerpause unsere Arbeit wieder aufnehmen werden können! Und dies ist eine sehr gute Nachricht für das Hohner-Konservatorium.

 

Selbstverständlich muss man immer auch damit rechnen, dass sich Planungen aufgrund von sich ändernden Rahmenbedingungen nicht ganz so wie gewünscht umsetzen lassen (man muss sich nur die kaum fassbare derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise vor Augen führen). Hinsichtlich unserer Kauf- und Umzugspläne schätze ich jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Gefahr einer noch notwendig werdenden Änderung der Planungen als sehr gering ein. Wir sind allgemein sehr gut aufgestellt und das neue Raumkonzept ist wie ich meine sehr gut, nachhaltig durchdacht und überzeugend. Finanziert wird das „neue Hohner-Konservatorium“ durch die drei Träger Stadt Trossingen, Matth. Hohner AG und Landkreis Tuttlingen, sowie – und das ist die sehr gute Nachricht – auch über Zuschüsse des Kultusministeriums des Landes Baden-Württemberg. Unser zukünftiges Raumkonzept sieht zudem eine Kooperation mit der privaten Musikakademie KunstWerk B vor, die sich wenige Meter vom Bau V entfernt befindet. Schauen Sie sich doch einmal beide Gebäude im Internet an:

 

www.bau-v.de

 

www.kunstwerk-b.de

 

Wenn Sie Fragen zu unserer räumlichen Veränderung in diesem Jahr haben, so können Sie natürlich jederzeit sehr gerne auf uns zukommen!

2. April 2009 Kommentieren Allgemein, Erik Hörenberg

Tage der Chor- und Orchestermusik 2009 in Osnabrück

Vor einigen Tagen war ich bei den jährlich drei Wochen vor Ostern stattfindenden „Tagen der Chor- und Orchestermusik“ in Osnabrück. Anlass dieses Musikwochenendes ist die Verleihung der Zelter- und der Pro Musica-Plakette an traditionsreiche Chöre und Orchester. Die Verleihung wurde vorgenommen durch den Kulturstaatsminister Bernd Neumann MdB, den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Gespannt war ich aber in erster Linie auf die verschiedenen Konzerte: insgesamt 700 Musikerinnen und Musiker bestritten an zwei Tagen ein musikalischen Rahmenprogramm, das wie in jedem Jahr die große musikalische Vielfalt in Deutschland eindrucksvoll darstellte.

 

Im Vorfeld wurde der Kulturstaatsminister von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände, die in diesem Jahr Veranstalter des Musikwochenendes war, interviewt. Und beachten Sie die letzte Frage: Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann MdB, der wie ich finde sehr gute Arbeit in Berlin leistet, spielt seit seiner Kindheit Akkordeon (wussten Sie das?). Darauf weist er immer wieder in Reden und Interviews hin. Ob er für ein Konzert im Rahmen von „Akkordeon grenzenlos“ zu gewinnen wäre? Das Interview mit interessanten und aufschlussreichen Antworten nun im Folgenden:

 

Sechs Fragen an Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Bedeutung

der Laienmusik in Deutschland.

 

Warum machen Sie sich stark für die Laienmusik, Herr Neumann?

► B.N.: Über lange Zeiträume werden in den Vereinen der Laienmusik kulturelle Traditionen gepflegt. Der Erhalt, die Pflege und die Weitergabe von Generation zu Generation: das macht die Arbeit der Musikvereine, der Chöre und Orchester von Laienmusikern so wertvoll für unsere Gesellschaft und für das Musikland Deutschland. Für viele Millionen Menschen ist gemeinsames Musizieren fester Bestandteil ihres Lebens. Im ländlichen Raum sind Laienmusiker und ihre Vereine zudem oftmals die einzigen kulturellen Akteure. Insofern nimmt die Laienmusik für das kulturelle Leben in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert

ein.

 

Welche Bedeutung haben Laienchöre und -orchester verglichen mit Berufs-

Ensembles?

► B.N.: Hochkultur und Breitenkultur sind keine Gegensätze. Laienmusikensembles und Berufsmusiker und -musikerinnen ergänzen einander und sind somit gemeinsam Ausdruck der kulturellen Vielfalt Deutschlands.

 

Wo gibt es Verbesserungspotentiale bei der öffentlichen Förderung von Laienmusik?

► B.N.: Die Musikförderung ist grundsätzlich eine Sache der Länder und der Kommunen. Ich kann hier nur für die Bundesebene sprechen. Mein Haus stellt im Spitzenbereich der Laienmusik Fördermittel bereit. Sie dienen etwa der Finanzierung von Wettbewerben wie dem Deutschen Chorwettbewerb und dem Deutschen Orchesterwettbewerb. Ferner werden Mittel für Projekte der Dachorganisationen der Laienmusikverbände zur Verfügung gestellt. Ich denke, auf dieser Basis steht die öffentliche Förderung durch den Bund auf soliden Füßen.

 

Was kann und muss denn getan werden, um die finanzielle Förderung der

Laienmusik auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wirksam durchzusetzen?

► B.N.: Die Vertreter der Laienmusik und der Kulturpolitik müssen vernehmlich darauf hinweisen, dass Spitzenleistungen im professionellen Bereich ohne eine intakte Grundlage in der Breitenkultur nicht möglich sind. Auch der eminent wichtige Beitrag der Laienmusik zur musikalischen Bildung, aber auch zur Persönlichkeitsentwicklung insgesamt, kann nicht oft genug betont werden. Potenziellen Sponsoren sollte immer wieder verdeutlicht werden, dass ihr Engagement eine breite und im Gegensatz zum bloßen Event vor allem auch nachhaltige

Wirkung entfalten kann.

 

Und wo gibt es Verbesserungspotentiale bei den Verbänden, die das Laienmusizieren

in Deutschland vertreten?

► B.N.: In erster Linie ist es Sache der Laienmusiker selbst, ihrem Verband Ratschläge zu geben, wo sie Veränderungsbedarf zur Verbesserung ihrer Arbeit sehen. Ich nehme die gemeinsame Dachorganisation, die Bundesvereinigung Deutscher Chor- und Orchesterverbände, als eine tüchtige Interessenvertretung der Laienmusik in Deutschland wahr. Sie sorgt dafür, dass die gemeinschaftlichen Interessen und Anliegen angemessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertreten werden.

 

Zuletzt die Frage: Musizieren Sie selbst, Herr Neumann?

► B.N.: Seit meiner frühesten Jugend spiele ich Akkordeon. Mit der Musik unddem Spielen in einer Band habe ich mir sogar das Studium finanziert.

 

Herzlichen Dank, Herr Staatsminister, für dieses Interview!

 
 
 

 

25. März 2009 Kommentieren Allgemein, Erik Hörenberg

Musikschulkongress 2009 in Berlin

Ich möchte Sie gerne auf einen Kongress aufmerksam machen, der vielleicht auch für Sie interessant sein könnt: der Musikschulkongress des Verbandes deutscher Musikschulen, der in diesem Jahr vom 15. – 17. Mai in Berlin stattfinden wird. Unten die Pressemitteilung des VdM, der Sie alle weiteren Informationen entnehmen können:

Musikalische Bildung öffnet Grenzen – Musikschulen für Vielfalt, Integration und Qualität

Vom 15. bis 17. Mai 2009 ist Berlin der zentrale Treffpunkt der Musikschulpädagogen. Dort erwartet der Verband deutscher Musikschulen (VdM) wieder über 1.500 Fachbesucher zum diesjährigen Musikschulkongress im Internationalen Congress Centrum Berlin.


Unter dem Motto “Musikalische Bildung öffnet Grenzen – Musikschulen für Vielfalt, Integration und Qualität” werden den Musiklehrkräften aus den an bundesweit 4.000 Standorten vertretenen 920 öffentlichen Musikschulen neue und aktuelle Unterrichtsmethoden und -modelle präsentiert. Bei der größten musikpädagogischen Fortbildungsveranstaltung in Deutschland wollen die öffentlichen Musikschulen für über eine Million Schülerinnen und Schüler ihre hohe Angebotsqualität weiter entwickeln.


“Musikschulen und die Entwicklung der kommunalen Bildungslandschaft” wird das Thema des Eröffnungsvortrags von Prof. Dr. Oliver Scheytt, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft und Kulturdezernent der Stadt Essen, sein. Über “Mit Musik die Hirnentwicklung fördern: Musikalische Früherziehung als ‚Nervenwachstumsfaktor’” und “Bildungslandschaften – aus der Zukunft in die Gegenwart geschaut” sprechen in den beiden großen Plenen am Samstag der bekannte Neurologe Prof. Dr. Eckart Altenmüller bzw. der renommierte Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Gerhard de Haan.


In insgesamt 48 Arbeitsgruppen werden unter anderem Konzepte für musikpädagogische Angebote ab dem frühen Lebensalter, für Klassenmusizieren an den allgemein bildenden Schulen, Instrumental- und Vokalunterricht, Ensemblespiel, Musikunterricht für Menschen mit Migrationshintergrund bis hin zu Angeboten für den Dritten Lebensabschnitt vorgestellt.


Während des Musikschulkongresses können die Besucher sich außerdem in der kongressbegleitenden Fachausstellung über aktuelle Angebote im Bereich Noten, Unterrichtswerke, Literatur, Musikinstrumente, Zubehör und Musik- und Musikschulsoftware informieren.


Der Musikschulkongress ’09 wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Berlin.


Weitere Informationen und das Kongressprogramm unter: www.musikschulen.de.

12. März 2009 Kommentieren Allgemein, Erik Hörenberg

Erster “Tag der Musik” des Deutschen Musikrates

In diesem Jahr wird es zum ersten Mal zu einem Musikprojekt kommen, das in seiner Umsetzung einzigartig ist, und das in Zukunft jährlich stattfinden soll: Der „Tag der Musik“ vom 12. – 14. Juni 2009 mit Musikveranstaltungen jeglicher Art über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Ich finde dieses Projekt des Deutschen Musikrates (quasi das erste „Gemeinschaftsprojekt des Musiklandes Deutschland“) eine hervorragende Idee: Es ist für das gesamte Musikleben in Deutschland – daher auch für alle Akkordeonistinnen und Akkordeonisten – eine sehr große Chance, sich in ihrer Vielfalt und ihrem stilistischen Reichtum einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. Durch die Breite, Anzahl und Ausstrahlung zahlreicher kleiner und großer Veranstaltungen sichert der „Tag der Musik“ den unterschiedlichen Musikinstitutionen wie Laienorchestern, Laienchören, Musikschulen oder Opernhäusern in Deutschland ein großes Medieninteresse und eine breite öffentliche Wahrnehmung. Ich erhoffe mir, dass sich möglichst viele Chöre, Orchester und Musikeinrichtungen bereits im ersten Durchführungsjahr an der Veranstaltung beteiligen. Wagt man sich für die längerfristige Zukunft auszumalen, alle Chöre und Orchester, Musikschulen, Opernhäuser und allgemein bildende Schulen treten an ein und demselben Wochenende musikalisch in Erscheinung, so ist die enorme Wirkung dieses Vorhabens schon in der Vorstellung unmittelbar greifbar! Es ist daher zu hoffen, dass mit der Durchführung in diesem Jahr eine erste Welle der Aufmerksamkeit für dieses in Zukunft jährlich wiederkehrende Ereignis ausgelöst werden kann. Nähere Informationen zum Tag der Musik finden Sie auf der Website: www.tag-der-musik.de. Sehr gerne können Sie mir mitteilen, ob Sie dieses Vorhaben gut oder nicht so gut finden bzw. wie dieses Projekt in der Zukunft weiter gestaltet werden könnte.

5. März 2009 Kommentieren Allgemein, Deutscher Musikrat, Erik Hörenberg

Bagger am Bau V

Vor einigen Tagen ging es so richtig los: Am großen Nachbargebäude des Hohner-Konservatoriums, dem Bau V, hat die Sanierung begonnen. Ziel ist es, diese bis Ende 2008 abzuschließen. Es werden auf den insgesamt vier Etagen mit jeweils rund 1.000 Quadratmeter verschiedene Nutzungen angestrebt. Zum einen private Wohnungen und zum anderen gewerbliche Flächen. Und: die Etage im Erdgeschoss ist für drei Kultureinrichtungen vorgesehen: für die Stadtbücherei Trossingen, die Musikschule Trossingen und das Hohner-Konservatorium. Denn mittelfristig wir derzeit folgender Plan verfolgt: die beiden Musikinstitutionen Musikschule und Hohner-Konservatorium teilen sich in Zukunft die Flächen im derzeitigen Hohner-Konservatorium und zudem eben einen Teil innerhalb des Bau V. Verbunden werden die beiden Gebäude durch einen geschlossenen Übergang, so dass man sich in den Trossinger Wintern keine Jacke anziehen muss, um vom einen Gebäude ins andere zu gelangen.

Die konzeptionellen Überlegungen zum gesamten Projekt begannen vor rund zwei Jahren. Die konkreten raumplanerischen Überlegungen zwischen Musikschule und Hohner-Konservatorium im Dezember 2007. Es hat sich mittlerweile gezeigt, dass verschiedene sehr positive Synergien mit diesem Konzept erreicht werden können – auch wenn dem Konservatorium nach Umsetzung der Überlegungen insgesamt weniger Quadratmeter zur Verfügung stehen werden. Der große Vorteil aber: nach einigen Jahrzehnten, in denen am Konservatoriumsgebäude nahzu nichts gemacht wurde und dieses dabei sehr in die Jahre gekommen ist (wie viele wissen), scheint eine Generalsanierung des Gebäudes nun endlich bevorzustehen. Da die Finanzierung hierzu noch nicht steht, ist die genaue Zeitschiene aber noch nicht klar. Im kommenden Haushaltsjahr 2009 wäre sehr erfreulich und ein großer Erfolg – man muss und wird sehen… Sicher sagen kann man jedoch, dass das “Dauerthema Konservatoriumssanierung” in den vergangenen Jahren noch nie so nah vor einer Umsetzung stand.

6. Juni 2008 Kommentieren Erik Hörenberg

Web 2.0 für Kulturunternehmen

Ich hatte das große Glück die Chance bekommen zu haben, in Zusammenarbeit mit Erik Hörenberg, ein Internetmarketingkonzept im Rahmen meiner Magisterarbeit am Institut für Kulturmanagement in Ludwigsburg für das Hohner-Konservatorium zu entwickeln. Während andere Kulturbetriebe noch ablehnend, wenigstens skeptisch dem Bereich Internetmarketing gegenüber stehen und hierbei leider die Entwicklung hin zum Web 2.0 verschlafen werden, stand das Hohner-Konservatorium diesen Dingen sehr offen gegenüber und war dazu bereit, sich auf das Abenteuer Web 2.0 einzulassen. Nicht nur dieser Blog, in welchem ich nun auch regelmäßig über die Ergebnisse und Entwicklungen schreiben werde, sondern auch das Akkordeon-Wiki (www.akkordeon-wiki.de/www.accordion-wiki.com) sind Maßnahmen, die wir durchgeführt haben, um den Besuchern der Hohner-Konservatoriums Website und allen Akkordeon-Interessierten einen Mehrwert zu schaffen. Im Akkordeon-Wiki sollen alle Akkordeonspieler und Akkordeonliebhaber die Möglichkeit haben, gemeinsam Wissen und Erfahrungen rund um dieses spannende und wundervolle Instrument zusammenzutragen und zu teilen. Gerade dem Hohner-Konservatorium als Bildungseinrichtung ist die Verwaltung von Wissen wichtig, was mit dem Akkordeon-Wiki ideal umgesetzt ist, da es allen offen steht und sich jeder beteiligen kann. Im Blog möchten Dozenten, Studenten und Leitung des Hohner-Konservatoriums einen persönlicheren Einblick in den Alltag am Konservatorium gewähren. Hier sollen aktuelle Diskussionen angeregt und ausgetragen, Fragen gestellt und über Alltägliches berichtet werden.
Ich denke, dass es durch die Web 2.0 Maßnahmen gelungen ist, dass sich das Hohner-Konservatorium in einem weiteren, offeneren Rahmen präsentieren kann. Spannend finde ich gerade, dass im Akkordeonbereich diese Offenheit gegenüber den neuen Medien herrscht. Das schönste Ergebnis wäre, wenn das Akkordeon auf diesem Wege noch neue Fans gewinnen kann und sein Image ein wenig moderner wird. Seine Lehrer sind es bereits!

Zum Abschluss meines ersten Blogeintrages möchte ich ein Zitat bringen, dass mein Professor Armin Klein immer gerne zitiert:
There are three types of organizations:
- those who make things happen,
- those that watch things happen
- those that wondered what happened.

Am Hohner-Konservatorium geht auf jeden Fall was!
Über Kommentare und Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen!

1. Juni 2008 Kommentieren Sabrina Fütterer