Archive vom November 2008
Klassenvorspiel
Vergangenen Dienstag Abend trafen sich Studenten meiner Klasse, um sich gegenseitig Stücke vorzustellen, an denen Sie im laufenden Semester gerade arbeiten. Auch vereinzelt interessierte Studenten aus anderen Klassen kamen zum aufmerksamen Zuhören. Der Termin war fürs laufende Semester relativ früh angesetzt, trotzdem gestalteten Danica Pross, Alfonso Covarrubias, Christa Sehring, Patrick Gamper und Tomomi Takahashi anderthalb Stunden Programm mit Werken von J.P.Rameau, J.S:Bach, D.Scarlatti, W.A.Mozart, A.Soler, A.Piazzolla und Il-Ryun Chung. Als Gast von der benachbarten Musikhochschule wirkte außerdem Symeon Risopoulos mit, der mit seinem Fagott zusammen mit Tomomi Takahashi kammermusikalisch zwei Bach´sche Dreistimmige-Inventionen zum besten gab. Die Klangfarbe des Fagotts brachte eine schöne, willkommene Abwechslung ins Programm, und zeigte einmal mehr, dass sich das Akkordeon wunderbar als Kammermusikinstrument eignet.
Beim anschließenden Umtrunk in der “Galerie” klang der Abend dann gemütlich aus.
Die verschiedenen Musikrichtungen des Akkordeons
Jedes Instrument hat sich in den meisten verschiedenen Musikrichtungen etabliert. Das Schlagzeug, wie auch die Geige kann ohne Vorurteile in verschiedenen Musikrichtungen eingesetzt und gespielt werden. Das Akkordeon hat auch seinen Platz gefunden, aber für die meisten „Nicht-Akkordeonisten“, hauptsächlich in der volkstümlichen Musik. Innerhalb der Akkordeon-Szene ist uns allen bekannt, was man mit dem Instrument Akkordeon so alles spielen kann, den wir haben uns keine Grenzen gesetzt. Es gibt so viele Musiker, die Akkordeon in bestimmte Musikrichtungen etabliert haben. Beispiel: Eine „Schwermetallband“ aus der Schweiz (zufällig beim surfen im Web gefunden). Das Akkordeon im Jazz hat sich schon mehr verbreitet. Aber kennt jemand ein Akkordeonisten der Jazz spielt, der nicht aus der Akkordeon-Szene kommt? Gibt es Akkordeon-Spieler in der Blues-Szene?
Wer kennt Akkordeon-Spieler ausder Musikrichtung Swing, Rock, Hip Hop, Pop, Folk, Country, Heavy Metall? Fangen wir doch mal mit einer Liste an. Bands, Gruppen oder auch Solisten, die ausschließlich in einer bestimmten Musikrichtung mit dem Akkordeon mitmischen!!!
Stellt Euch oder die Musiker vor. Angaben am besten mit Musikrichtung, Namen, Bild, Hörproben oder Videos. Interessant wäre auch, wie sich die Musiker gefunden haben oder wie Ihr auf diese Musiker aufmerksam geworden seid.
Zeigen wir den „Nicht-Akkordeonisten“, daß das Akkordeon mehr als nur ein„humtata“-Instrument ist. Ich bin auf Eure Vorschläge schon sehr gespannt!
Virtuose und Antivirtuose
Seit ein paar Wochen studiere ich für einen größeren Aufsatz Quellen und Texte zur Virtuosität, einem Thema, das viele interessiert und fasziniert. Trotzdem gibt es erstaunlich wenige Bücher auf dem Markt, die sich ausführlich damit auseinandersetzen. Was ist eigentlich Virtuosität? Was ist gar Antivirtuosität?? Auffallend ist jedenfalls immer wieder, dass das Phänomen Virtuosität sowohl positiv geprägte (”technisch außergewöhnlich”) aber auch negative (”oberflächlich”) Meinungen hervorruft. Die beiden Geiger aus dem 19.Jhdt. Niccolo Paganini und Joseph Joachim bilden in Ihrer Persönlichkeitsstruktur und ihren musikalischen Äußerungen am Instrument sicherlich zwei extreme Pole, die nähere Erkenntnisse zum Thema verdeutlichen können.
Joseph Joachim (1831-1907) Niccolo Paganini (1782-1840)
Auf der einen Seite der heutige “Inbegriff der Virtuosität”, der berühmte Italiener Niccolo Paganini, dessen selbstdarstellerische Aufritte wohl eine artistische Unmittelbarkeit hatten, eine aus dem Instrument herausdrängende Beweglichkeit der Figuration, die Konzertbesucher zum schockierenden Staunen brachte. Glaubt man Berichten von Zeitzeugen, so verkaufte Franz Schubert Möbel, um Konzertkarten zu Paganinis Wiener Auftritt zu bekommen. Seine Faszination muss außergewöhnlich gewesen sein.
Auf der anderen Seite der “Antivirtuose” Joseph Joachim, über den voller Bewunderung steckende Quellen nachzulesen sind, die von seiner selbstlosen Fähigkeit berichten, beim interpretieren in vermittelnder Haltung stets den Komponisten gesprochen gelassen zu haben, ohne jegliche äußerliche Eitelkeit, seinen Blick stets auf den geistigen Gehalt eines Werks, auf dessen Stil gerichtet; wie ein vertrauenswürdiger Spiegel, der in aller Echtheit und Ehrlichkeit die Wahrheit der Komponisten unmittelbar übertragen konnte. Beim Hören konnte man wohl - im besten Sinne - den Interpreten vergessen, und sich vollkommen auf die Musik des Komponisten einlassen. -
Interessant für den Moment vielleicht noch ein paar kombinierte Begriffspaare, auf die ich bei der Definitionssuche zwischenzeitlich gestoßen bin, die gewisse charakterliche Tendenzen veranschaulichen:
VIRTUOSE ANTIVIRTUOSE
subjektiv objektiv
Verführer Erzieher
Unterhalter Wertevermittler
Egodarstellung Darstellung der Seele des Komponisten
Solist Kammermusiker
körperlich geistig
Wettbewerb stiller Genuss
Sicherlich zwei (Arche-)Typen von Instrumentalisten, die, jeder für sich genommen, auch heute noch die Besucher in die Konzertsäale locken.
Deutschlandpromenade in Quangzhou
Am 7. November begann die Veranstaltung “Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung” in Quangzhou.
Arbeitsfrohes Wochenende
Das vergangene Wochenende war in mehrfacher Hinsicht sehr arbeitsintensiv. Während im Trossinger Kunstwerk B das Ensemble ART OF ACCORDION zusammen mit dem Tonmeister Prof. Oliver Curdt von der Hochschule der Medien Stuttgart den 2.Teil seiner “Best of”-Stücke für die im Frühjahr neue erscheinende CD einspielte, bestritt ich als Solist 200 km weiter mit dem AKADEMISCHEN KAMMERORCHESTER KARLSRUHE und der Leitung von Michael Klubertanz ein Probe-bzw. Konzertwochenende, bei dem neben Janaceks Suite für Orchester, das f-Moll-Konzert BWV 1056 von Johann Sebastian Bach, sowie die Tango Sensations von Astor Piazzolla auf dem Programm standen. Während Prof. Curdt aus dem Ensemble die letzten musikalischen Reserven herauslockte, machte ich mit dem Orchester wunderschöne, sehr bereichernde Erfahrungen. Das Konzert war sehr gut besucht und ein großer Erfolg. Bereits während der Proben war es für mich schon enorm spannend, mit den 22 Streichern am gemeinsamen Klang zu arbeiten. ”Gänsehautgarantie” schon beim Stimmen…
Zwei Studenten des Konservatoriums beim Coupe Mondiale in Glasgow
Alexander Cargnelli und Matthias Bender waren in diesem Jahr solistische Teilnehmer beim Internationalen Akkordeonwettbewerb Coupe Mondiale, der vom 21.-26.Oktober 2008 in Glasgow stattfand. Mit über 100 Spielern aus 30 Nationen gab es die höchste Anzahl an Teilnehmeranmeldungen seit der Gründung dieses Wettbewerbs im Jahre 1938. Einmal mehr kamen auch in diesem Jahr die führenden Spieler im solistischen Bereich aus Frankreich, Serbien und Russland, den Ländern, in denen das Instrument Akkordeon bekanntermaßen eine sehr große Tradition genießt. Für unsere beiden Studierenden gab es im regnerischen Schottland große Erlebnisse und viele freundschaftliche Begegnungen, die sicherlich unvergessen bleiben werden. - Wie war noch gleich der “ideale” Spieler? - Er hat die Geschmeidigkeit der Franzosen, die Leidenschaft der Serben und die Perfektion der Russen…
Bis zum nächsten mal!
Alex und Matthias mit Mitgliedern der Internationalen Jury: Jacques Mornet (Frankreich) bzw Chen Jun (China)









