Archive vom Oktober 2008
Gemeinsam über Musik diskutieren
Vergangene Woche am Dienstag war bereits der 3.Klassenabend des laufenden Semesters, an dem sich meine Hauptfachstudenten versammelten, um Gemeinsames zu gestalten. Nach dem 1.Abend im September, an dem der chilenische Student Alfonso Covarrubias DVD-Aufnahmen von argentinischen Vorläufer-Tangoensembles zu Astor Piazzolla mit sehr interessanten Anmerkungen vorstellte, und einem darauffolgenden Klausurabend, an dem jeder Studierende innerhalb von 2 Stunden sich ein Stück erarbeitete und es anschließend den Kommilitonen vortrug, war dieses mal ein Hörabend angesetzt, an dem ich ausgewählte Beispiele aus der Musikgeschichte mitgebracht hatte.
Wir hörten zunächst jeweils Ausschnitte von diesen Stücken an, um anschließend gemeinsam darüber zu sprechen. Gleichermaßen wurden persönliche Empfindungen und gelerntes Wissen den anderen mitgeteilt, ob es nun um die Epoche, das Werk, den Komponisten, den Interpreten, das Instrument oder die Aufnahmetechnik ging. So entstanden daraus zum Teil sehr lebhafte Diskussionen, z.B. nach der gehörten dreistimmigen Bach-Invention, von der wir drei verschiedene Aufnahmen - Cembalo/Klavier/Akkordeon-Cello - hörten. Bei Musikausschnitten von der Gregorianik über Palestrina, Bach, Soler, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Paganini, Francaix, Debussy und Hindemith wurde darüber hinaus auch über Ansatzpunkte gesprochen, bei welchen Komponisten man als Interpret mit dem Instrument Akkordeon seinen Platz finden kann - und wo eher nicht.
Mir hat es sehr viel Freude bereitet, zu sehen, wie jeder einzelne konzentriert zuhörte, um anschließend seine Meinung zu äußern.
Weisheiten (3)
“Bachs Musik ist mit ihrem wachen Gefühl für Nähe und Ferne zugleich, mit zwangloser Erfüllung des Jetzt und Hier, und eines immer unterirdisch-wachen Gefühls für die Struktur, den Strom des Ganzen, mit ihrem “Nah-Erleben” wie mit ihrem “Fernhören” ein Beispiel biologischer Sicherheit und natürlicher Kraft, wie wir es in der Musik sonst nicht finden.”
(Wilhelm Furtwängler)
“Die Schönheit des Andante aus dem Violinkonzert in a-moll von Johann Sebastian Bach ist so groß, daß man ernstlich nicht mehr weiß, wie man sich hinsetzen und verhalten soll, um des Anhörens würdig zu sein.”
(Claude Debussy)
Das Fach Transkription beim berufsbegleitenden Ausbildungsgang
Vor zwei Wochen fand bei uns im Hause die erste Blockphase des “berufsbegleitenden Ausbildungsgangs Akkordeon ” statt. Neben den wichtigen Inhalten Soloakkordeon, Ensemblespiel, etc. wurde auch erstmals der Weg der “Transkription” von Hans-Günther Kölz (Fachrichtung Jazz) und meiner Person (Fachrichtung Klassik) angeboten. Dieses Fach, das im europäischen klassischen Lehrbetrieb sonst eher stiefmütterlich behandelt wird, kann unserer Erfahrung nach ein sehr wertvoller Weg sein, viele ansonsten aufgespaltene musikalische Lerninhalte in direkter Verbindung mit musikalischem Erleben zu gestalten.
Z.B. Gehör: beim Transkripieren werden gleichzeitig tonales Hören, Intervalle, Rhythmus, Akkorde, 2-stimmiges Hören aktiviert, und das Stück ganz nebenbei (genauso wie der spielende Pianist) sehr intensiv kennengelernt. Zur Einführung wurde der Vorgang in der Gruppe mit verschiedenen Tips zur Arbeitsweise begonnen - Hausaufgabe ist nun, das komplette Stück von CD aufs Papier zu bringen.
Im Anschluß daran werden nächstes mal im Unterricht theoretische Fragen angesprochen, eine formale und harmonische Analyse gemacht, sowie das historische Umfeld des Stücks bzw. des Komponisten näher beleuchtet.
Wie gesagt, dieser Vorgang des Transkripierens wird im klassischen Musiklehrbetrieb bisher kaum praktiziert, es scheint für uns aber ein “glücklicher” Weg zu sein, Musik erleben mit Lernen zu verbinden.
Weisheiten (2)
“Das E-Book wird das gedruckte Buch zwar nicht abschaffen, aber in vielen Teilen ersetzen. Ein Roman, in dem ein Song eine Rolle spielt, den man parallel zum Lesen hören kann, zum Beispiel; eine animierte Graphic Novel oder das Spiel mit Text und Hypertext.” (Michael Gaeb, 35, Literaturagent)
“Musik schafft es immer noch, mich an Orte zu schicken, von denen ich vorher nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt.” (Bette Midler, 62, Entertainerin)
